Heileurythmie wird vom behandelnden Arzt verordnet und nach einem individuell aufgestellten Therapieplan von Heileurythmist*innen durchgeführt. Sie findet grundsätzlich als Einzeltherapie statt.
Präventionskurse zu unterschiedlichen Beschwerden, die teilweise von Kassen Bezuschusst werden, sind Gruppenangebote.
Im Gegensatz zu heileurythmischen Angeboten im Bereich der Prävention, z.B. in Schule und Kindergarten, beruhen die Angebote in freier Praxis auf finanziell selbständiger Tätigkeit.
Ein Praxisraum muss gefunden werden und Kontakt mit niedergelassenen Ärzten, die Heileurythmie verschreiben, geknüpft werden. Ein besonderer Glücksfall stellt es dar, wenn dies im Zusammenhang mit einem Therapeutenteam anderer anthroposophischer Therapien z.B. rhythmischer Massage und Kunsttherapie, innerhalb eines Therapeutikums stattfinden kann.
Gesetzliche Krankenkassen, welche Heileurythmie anteilig erstatten, brauchen vom Therapeuten einen Kostenvoranschlag und das Rezept des Arztes dann kann eine Erstattungsfähigkeit erwirkt werden. Kassen, die Mitglied der bestehenden Verträge zur integrierten Versorgung mit anthroposophischer Medizin sind erstatten Heileurythmie als Regelleistung (ca 20-25 Einheiten pro Jahr).
Menschen aller Altersstufen und mit unterschiedlichsten gesundheitlichen Gründen bekommen die Heileurythmie verordnet. Insbesondere chronische erkrankte Patienten doch auch akute physische und psychische Beschwerden können mit guten Erfolgen behandelt werden. (siehe HINTERGRUND -> Studien)
Normalerweise dauert eine Behandlung 45 Min und schließt eine Nachruhezeit von 15 Min ein.
In meiner langjährigen Tätigkeit in Freier Praxis durfte ich oft wahrnehmen, wie dankbar die Menschen sind für das Erleben der neuen Lebenskräfte, die ihnen durch die Heileurythmie zufließen und für die dadurch erzielten Besserungen ihres Gesundheitszustandes.
Rena Meyer
In zahlreichen Kliniken - Akutkrankenhäusern, Psychiatrischen und Psychosomatischen Kliniken - wird Heileurythmie in fast allen Fachbereichen angewendet. Je nach Bereich ist hier eine Spezialisierung der heileurythmischen Arbeit erforderlich. Diese hochkomplexe Behandlung kann im Stehen im Sitzen oder auch im Liegen angewandt werden - auch bei Patienten, die nicht bewegungsfähig sind z.B. nach einer Operation auf Intensivstation.
Es gibt auch Erfahrungen mit der heileurythmischen Begleitung von Koma-Patienten.
Die Therapeuten sind in den Kliniken fest in die Stations-Teams eingebunden und beteiligen sich an den Teambesprechungen. Durch ihren künstlerisch geschulten Blick auf die Bewegung tragen sie wesentliche Aspekte zum Verständnis des Patienten bei und geben dadurch neue Richtungen auch für die ärztlichen Entscheidungen.
Die Möglichkeit der Heileurythmie, die Verträglichkeit von Medikamenten zu fördern, macht ihre Präsenz im therapeutischen Prozess der Kliniken unentbehrlich.
Cornelia Hunz/Barbara Lampe
Seit der Gründung der Waldorfschule wurden Eurythmie und Heileurythmie im Konzept und im Lehrplan integriert.
Heileurythmie unterstützt die gesunde Entwickelung des werdenden Menschen.
Dies umfasst sowohl die körperliche, als auch seelisch – geistige Ebene des Kindes und Jugendlichen. Es geht um das Wahrnehmen und Ausgleichen von Entwicklungsverzögerungen und Akzeleration, sowie das frühzeitige erkennen von Krankheitsdispositionen.
Die Heileurythmie kann als Einzelbehandlung harmonisierende Impulse setzen. Dabei werden die gesunden Entwicklungskräfte des Kindes und Jugendlichen angeregt und gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Schularzt können Kinder und Jugendliche konstitutionell und medizinisch umfassend unterstützt werden.
Der menschenkundliche Ansatz der Waldorfschule, der sich aus der pädagogischen Berücksichtigung des Denkens, Fühlens und Wollens ergibt, wird in der Einzelbehandlung fortgesetzt.
So können z.B. im Sinne der Prophylaxe, nicht nur Haltungsprobleme, Zahnfehlstellungen und Schlafstörungen positiv verändert werden, sondern auch Legasthenie und Dyskalkulie oder ADHS und Achtsamkeitsdefizite , in welchen auch Aggressionen oder depressive Verstimmungen auftreten können.
Die Heileurythmie wird bei Entwicklungsstörungen aller Art mit viel Erfolg angewendet.
Meist begleitet ein Team aus Schularzt,HeileurythmistIn und FörderlehrerIn während der Unterrichtszeit die Kinder und Jugendlichen. Von der Schule werden Räume mit entsprechender Ausstattung dafür bereitgestellt.
Doris ten Brink
Schüler sprechen über Heileurythmie:
Der Säugling ist noch offen und unbefangen allen Wahrnehmungen und Eindrücken der Welt gegenüber und die Leiblichkeit ist noch durchlässig und sensibel.
Daran knüpft die heileurythmische Therapie an und spricht unmittelbar die Empfänglichkeit und Aufnahmekraft des frühkindlichen Organismus an.
Im Säuglingsalter ist die intentional gerichtete oder nachahmende Bewegung noch nicht möglich, deshalb kann ein Erlebnis der Bewegung nur mit der Führung des Therapeuten erreicht werden.
Der Säugling hat ein feines Wahrnehmungsvermögen und ist noch ganz Sinnesorgan.
Wichtig für die Therapie mit Säuglingen ist seine Wahrnehmung der eurythmischen Bewegung durch die Lautführung des Therapeuten und die eurythmische Bewegung der Ärmchen und Beinchen zu ermöglichen.
Beim Führen der Lautgebärde muss der Therapeut selbst ganz intensiv in der Lautqualität präsent sein, damit die Lautkraft wirksam werden kann.
Weitere Einblicke sind enthalten in der Veröffentlichung:
In diesem Praxisfeld ist die Heileurythmie unverzichtbar. Sie wirkt - über individuell abgestimmte Therapiewege - bei den verschiedensten Entwicklungsstörungen, wie etwa bei der Wahrnehmungsverarbeitung, Sprachstörungen, Kontaktschwierigkeiten, Selbst- und fremdgefährdendem Verhalten.
Auch bei manifesten Behinderungen im körperlichen und seelischen Bereich, wie im Autismusspektrum, Epilepsie, ADHS, spastischem Bewegungsbild und anderen Koordinationsproblemen kann die Heileurythmie dem Heranwachsenden und Erwachsenen eine entscheidende Unterstützung geben. Sie kann eine große Hilfe sein, die individuelle Besonderheit in die eigene Biografie zu integrieren.
Da die wohltuende, wirksame Hilfe, die von der Heileurythmie ausgeht, unmittelbar erlebbar ist, ist die Arbeit mit den Menschen in diesen Einrichtungen von großer Wertschätzung, Dankbarkeit und gegenseitigem Einvernehmen geprägt.
Die Eltern, Ärzte*innen, Therapeut*innen und alle mit dem Jugendlichen oder Erwachsenen verbundenen Kolleg*ìnnen sind an dem therapeutischen Prozess beteiligt, um ihn zum Erfolg zu führen.
Carola Adam-Röttig
Ein Kuraufenthalt bietet vor allem im psychosomatischen Bereich die Möglichkeit seelischer und körperlicher Regeneration sowie der neuen Eigenwahrnehmung. Die Bewegungsübungen der Heileurythmie stellen das seelische Gleichgewicht wieder her, lösen Blockaden und mobilisieren Lebenskräfte. Neue individuelle Impulse lassen sich finden, Erschöpfungs- und Krankheitsursachen werden erkannt und ihre Umwandlung initiiert. In der Rehabilitation - vor allem im Bereich der inneren Medizin - wird bei Herz-Kreislauferkrankungen, allergischen Erkrankungen, wie Asthma oder Neurodermitis, und in der Onkologie heileurythmisch das fortgesetzt, was in der Akutsituation begonnen wurde.
Heileurythmie für ältere Menschen wirkt zunächst präventiv im Sinne der Salutogenese – der Gesunderhaltung. Die psychische Beweglichkeit und die Regeneration der Lebenskräfte werden durch die heileurythmischen Übungen angeregt und stimuliert. Es gehört zu ihren Aufgaben, ein positives Lebensgefühl zu entwickeln, Schmerzen zu lindern bzw. den aktuellen Zustand bei Alterskrankheiten wie Morbus Parkinson, Alzheimer, seniler Demenz, Apoplexie, Infarkt etc. zu halten oder zu verbessern. Um der Vereinsamungstendenz und Isolation entgegen zu wirken, wird die therapeutische Eurythmie in manchen Häusern auch als Gruppenaktivität angeboten; die Übungen der Heileurythmie werden individuell für den alten Menschen entwickelt und können sowohl im Stehen, Sitzen und auch Liegen angewandt werden. Am Ende des Lebens kann die Heileurythmie im Bereich der Palliativmedizin zu Schmerzlinderung und allgemeiner Harmonisierung ihren Beitrag leisten.
Thilo Riebold
Wie Heileurythmie zu einer unglaublichen Kraftquelle werden kann
„Ich bin 86 Jahre alt und habe in den letzten sieben Jahren diese Therapie in Anspruch genommen. In ihrer Wirksamkeit entstehen wahre Wunder: Bin ich etwas ermüdet, brauche ich nur an das –I- zu denken: meine Muskeln straffen sich, das Gehen wird leichter da der Körper inzwischen das –I- fast unbemerkt vollzieht. Auch mein Gleichgewicht ist wesentlich besser geworden sodass das sichere Gehen eine lebensspendende Kraft erhalten hat denn gleichzeitig wird auch der Atem tiefer!
Eine innere und äußere Sicherheit, Freude am Leben und Vertrauen für mein Dasein sind vorhanden.“